Wie du die Wintermelancholie genießen kannst

Vielleicht geht es dir ein wenig wie mir, und du spürst, dass die langen, dunklen Wintertage so langsam mehr und mehr einen Einfluss auf dich haben. Ich schlafe mehr, als in den hellen Jahreszeiten und bin tagsüber müder als sonst. Die grauen Nieselregentage, an denen es gar nicht richtig hell zu werden scheint, fühlen sich schwer und mühsam an – es kostet mich mehr Energie, rauszugehen und Dinge zu erledigen, die erledigt werden wollen. Und das ist in Ordnung so, finde ich. Mir hilft es, mit dieser Winterschwere umzugehen, wenn ich mir gestatte, sie zu spüren. Wenn ich akzeptiere, dass ich als Mensch Teil des Zyklus der Jahreszeiten bin, dann ist das Erleben von winterlicher Müdigkeit oder verdüsterter Stimmung kein Problem mehr, das es zu beheben gilt, sondern ein Ausdruck des Lebens. Ein Ausdruck dessen, dass wir Teil dieses natürlichen Lebenskreislaufes sind. Dass sich unser Gefühlsleben, unsere Wahrnehmung, unser Sein ändern darf, so wie sich auch die Natur dort draußen im Laufe des Jahres verändert.


Heute stelle ich dir meine persönlichen Top 10 To Dos vor, die dir dabei helfen, die Wintermelancholie zu leben, zu erleben und sogar zu genießen.



1. Nimm ein Wannenbad im Kerzenschein


Dies ist wirklich eines meiner liebsten abendlichen Rituale an langen, kalten Wintertagen. Lass dir ein heißes Bad ein, vielleicht mit etwas gut duftendem Badeöl (am besten ein gutes Bio-Badeöl), mach das Licht im Badezimmer aus und zünde stattdessen ein paar schöne Bienenwachskerzen an. Zelebriere die Dunkelheit und die Kälte, lass die Gedanken schweifen und die Wärme des flackernden Kerzenscheins dir helfen, zur Ruhe zu kommen.



2. Mach einen Regenspaziergang


Ein kaltnasser Regentag mag einen nicht unbedingt nach draußen locken, und doch hat ein Spaziergang an einem solchen Tag etwas für sich. Laufe die verregneten Straßen entlang, durch einen Park oder draußen in der Natur. Halte inne, lausche dem Regen, genieße die melancholische Schwere, mit der der graue Himmel über dir liegt. Beobachte, nimm wahr, ohne zu bewerten, ohne zu vergleichen. Erinnere dich daran, wie gut dieser Regen der Natur tut, dass er Teil unseres Lebens auf dieser Erde ist. Und vielleicht kannst du das Glück von Melancholie und Dankbarkeit vereint in deinem Herzen spüren.



3. Besuche einen Garten


Dies mag vielleicht merkwürdig klingen, ist doch in dieser Jahreszeit auf den ersten Blick nicht viel los in den Gärten. Und doch finde ich einen Ausflug, beispielsweise in den botanischen Garten hier in Berlin, auch im Winter sehr schön. Denn wer genau hinschaut, entdeckt auch in der winterlichen Stille, wie der Prozess des Lebens sich im Garten fortsetzt. Ruhiger, versteckter, gemächlicher. Vielleicht inspiriert dich der Besuch eines Gartens, die zyklischen Aspekte deines Lebens und Alltags besser erkennen und lieben zu lernen. Denn so wie der Garten nach der Winterstille im Frühjahr wieder aufblühen wird, so wirst auch du wieder aufblühen – auch wenn du auf den ersten Blick zunächst nur einen welken Garten vor dir siehst.



4. Lies Gedichte


Eine wunderschöne Beschäftigung, die für mich Erholung für Körper, Geist und Seele bedeutet: eine dampfende Tasse Tee und ein schöner Gedichtband. Öffne dein Herz, lass die Worte deiner Seele schmeicheln und genieße die Welt, die das Gedicht dir eröffnet. Mich von Worten tief berühren zu lassen, ist eine wundervolle, melancholische Freude für mich und ein Auftanken mit Tiefgründigkeit, die, wie ich finde, im digitalen Alltag oft zu kurz kommt.



5. Besuche eine Bibliothek


Vielleicht hast du die Möglichkeit, einmal an einem dunklen Wintertag durch die Regale einer Bibliothek zu stöbern. Nach Lust und Laune in Büchern zu schmökern, die deine Aufmerksamkeit erhascht haben. Ohne Ziel und ohne Plan für ein paar Stunden zu sein, den Inspirationen zu folgen, die sich dir auftun. Genieße die Stille, erlaube dir, deinen Gedanken freien Lauf zu lassen und beobachte, wo sie dich heute hinführen möchten. Und wenn du beim Schmökern in nostalgischen Erinnerungen schwelgst oder Sehnsüchte aufleben lässt, gestatte dir, diese bittersüßen Momente zu leben und zu genießen.



6. Geh allein ins Café


So oft gehe ich ins Café, um etwas zu tun – eine Verabredung wahrzunehmen, einen Artikel zu schreiben oder um schnell etwas zu essen. In ein Café zu kommen, um eine Weile einfach nur zu sein, ganz für sich, ist etwas Besonderes. Ohne Laptop oder Smartphone, vielleicht mit einem guten Buch, aber am besten mal *nur* mit sich selbst. Vielleicht kannst du dir einen Platz am Fenster suchen, von dem aus du das Treiben auf der Straße beobachten kannst. Vielleicht geht es dir wie mir und es kommt dir irgendwie komisch vor, allein im Café zu sitzen und scheinbar nichts zu tun. Und vielleicht ist genau dies der richtige Moment, um diese Gefühle loszulassen, dir zu erlauben, ganz bei dir zu sein und die Atmosphäre auf dich wirken zu lassen – für mich ein Moment, in dem ich mir erlauben kann, mein melancholisches Ich zu sein und gedankenverloren und doch voller Ruhe zum Beobachter der Welt zu werden.



7. Lausche melancholischer Musik


Ich liebe es, in melancholischen Momenten Musik zu hören, die meine Stimmung widerspiegelt. Einerseits erlaubt es mir, wirklich tief zu spüren, was in mir vorgeht, andererseits bringt es Wärme und Leichtigkeit in die melancholischen Gedanken. Denn die Musik versteht, was ich fühle, und kreiert daraus etwas Wunderschönes – ich kann spüren, wie die Melancholie die Grundlage für ein tiefgründiges Glücksgefühl von Verständnis und Verbundenheit wird.



8. Meditiere zur Dunkelheit


Dies ist etwas, das ich erst kürzlich für mich entdeckt habe. Ich meditiere seit einigen Jahren, doch die Mediationen, die sich spezifisch mit der dunklen Jahreszeit beschäftigen, waren noch neu für mich. Ich habe mich sofort in sie verliebt und genieße es sehr, dieser zyklisch wiederkehrenden Dunkelheit und der mit ihr verbundenen Melancholie in Meditation näher zu kommen und eine liebevolle Beziehung zu ihr zu entwickeln.



9. Fahre mit dem Zug


Wir sind über Weihnachten mit dem Zug von Berlin nach Süddeutschland gefahren. Die beinahe 7 Stunden boten reichlich Zeit, um aus dem Fenster zu schauen – nach wie vor meine liebste Tätigkeit im Zug. Die winterliche Landschaft draußen vorbeiziehen lassen und mit ihr die Gedanken kommen und gehen lassen. Beobachten, wie die Sonne sich rasch senkt und die Dunkelheit hereinbricht. Wie sich die Landschaft wintermüde und karg, und doch voll Potential und Hoffnung, von flachem Land zu bergiger Gegend wandelt. Für mich ist eine solche Reise im Zug auch ein Bewusstwerden von Weite und Distanz. Ein Wahrnehmen vom Raum, den mein Körper auf dieser Erde einnimmt, und den wir Menschen auf dieser Erde einnehmen und gestalten. Doch muss man nicht gleich den ICE gen Süden nehmen, auch eine S-Bahnfahrt über die Stadtgrenze hinaus kann eine kleine Reise in sinnlicher Melancholie bedeuten.



10. Beobachte Mond und Sterne


Es hat einfach etwas Magisches, in einer kalten, klaren Winternacht nach draußen zu gehen und den Blick gen Himmel zu richten. Lass Mond und Sterne auf dich wirken, beobachte die Gedanken und Gefühle, die dir dabei begegnen und spüre in dich hinein, wie es sich heute Nacht anfühlt, ein Mensch in diesem weiten Universum zu sein. Und wenn dir dabei die Melancholie begegnet, dann begrüße sie, heiße sie willkommen und schau, welch wundersame Fragen, unlösbare Rätsel und bittersüße Magie sie für dich in dieser sternklaren Nacht bereithält.



Ich hoffe, du konntest die ein oder andere Inspiration für dich mitnehmen. Ich wünsche dir viel Freude beim Ausprobieren! Auf dass wir die dunklen Wintertage mit melancholischen Freuden füllen mögen und dann voller Vorfreude und Lebenslust in den Frühling starten werden.


PS: Hier findest du die Top 10 für dein Pinterest Board:







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