Die Schönheit der Melancholie

Warum wir die Melancholie mehr feiern sollten



Es mag klischeehaft melancholisch klingen: ich sitze an einem schwülen Juliabend draußen auf dem Balkon, ein Gewitter zieht in der Ferne vorbei und ein milder Sommerregen taucht unsere Straße in ein feucht-grünes Grau. Eine Ahnung von Herbst liegt in der Stimmung. Und während ich die tief fliegenden Schwalben am Himmel beobachte, gesellt sie sich zu mir, die Melancholie – und ich glaube, dass sie lächelt.



Kein Platz für Melancholie


Wir leben in einer Zeit, in der Momente wie diese zumindest in den Medien gerne übersehen werden. Von den grinsenden Frohnaturen in der Werbung, für die das neueste Scheuermittel den Weg zum immer währenden Glück zu ebnen scheint. In den sozialen Medien sowieso, denn kaum jemand posted schwermütig von einer kleinen Traurigkeit oder sehnsuchtsvoll von einem Moment der Wehmut. Vielleicht ist das gar nicht schlecht, denke ich im ersten Moment, vielleicht ist es auch nicht der richtige Ort für die Melancholie. Ein Begriff, der so komplex und vielschichtig ist, dass er über die Zeit an Bedeutung verloren hat und inmitten vom ständigen Streben nach Glück und Spaß in den Hintergrund geraten ist. Ein bedauernswerter Zustand, wie ich finde, denn so gerät auch das unglaubliche Potential der Melancholie langsam immer mehr in Vergessenheit.


Ein Begriff voller Fragezeichen


Ich habe die unterschiedlichsten Reaktionen erlebt und Meinungen gehört, als ich Menschen um mich herum auf das Thema angesprochen habe. Die einen kennen das Wort Melancholie als gleichbedeutend mit schwarzer Galle, einem der vier Körpersäfte, wie man sie aus der antiken Medizin kannte. Andere setzen sie mit Trauer gleich, wieder andere mit Depression. Einige haben von dem Wort noch nie gehört. Kein Wunder, dass es nicht leicht ist, über das Thema zu sprechen und dass allerhand Missverständnisse aufkommen, bei dieser Vielzahl an Definitionen und Vorstellungen. Denn wie erklärt man dann einen melancholischen Gedanken? Und was ist ein melancholischer Charakterzug, Moment, oder eine melancholische Stimmung?


Was Melancholie für mich bedeutet


Für mich persönlich bedeutet Melancholie ein tiefes, vielschichtiges und durchaus positives Gefühl von Traurigkeit, Wehmut und Nachdenklichkeit. Melancholie fesselt und inspiriert mich in ihrer Sanftheit, Komplexität und Schönheit – sie ist für mich ein Geisteszustand voller Kraft und Energie, Empathie, Liebe und Achtsamkeit, der uns unsere Endlichkeit vor Augen führt und damit das Leben mit Tiefe und Dankbarkeit bereichert.


Nimmerfroh und Immerfroh – und was passiert dazwischen?


Zwar habe ich mich schon als Jugendliche für psychologische Fragen interessiert und stand Themen rund um seelische Gesundheit aufgeschlossen gegenüber, jedoch ist mir erst vor etwa zwei Jahren bewusst geworden, wie ungemein wichtig mein psychisches Wohlbefinden und damit verbunden meine Melancholie tatsächlich für meinen Alltag ist. Ängste und Sorgen zu haben und unter Stress zu stehen, kannte ich zwar aus Schul- und Unizeiten, doch als ich begann, Panikattacken zu erleben und die Diagnose Depression folgte, wurde mir bewusst, dass ich etwas ändern musste. Ich begann mich zu fragen, was sich überhaupt in mir geändert hatte, dass es erst so weit gekommen war.


Ich stellte fest, wie sehr ich den Druck glücklich, erfolgreich und stets guter Dinge sein zu müssen, verinnerlicht hatte. Einen Druck, den ich jeden Tag aus den sozialen Medien mitnahm. Aus Lifestyle-Magazinen und Self-Help-Büchern, mit endlosen Tipps für ein glücklicheres, effizienteres, erfolgreicheres Leben. Auf einmal wurde mir jeder trübe Tag, jede schwermütige Stunde ein Dorn im Auge. Ein Scheitern meinerseits, ein Fehler in meiner Timeline, etwas, das ich reparieren musste und tunlichst zukünftig zu vermeiden hatte. Ich hatte das Unglücklichsein verlernt und mich paradoxerweise dadurch erst wirklich unglücklich gemacht. Es gab kein Dazwischen mehr. Nur noch zwei Möglichkeiten: die Depression am einen Ende, grenzenloses Glück am anderen. Die Melancholie dazwischen war mir verloren gegangen.


Wie ich die Kraft der Melancholie für mich wiederentdeckt habe


Erst als ich eines Tage auf meiner Festplatte über die vielen Songs stolperte, die ich als Jugendliche geschrieben und aufgenommen hatte, erinnerte ich mich daran, dass ich einst einen ganz anderen Umgang mit dem Unglücklichsein hatte. Damals habe ich mein Ethik-Abitur über das Thema Melancholie gemacht und viel über sie gelernt. Dieses vertraute Gefühl, das mich schon seit meiner Kindheit begleitet hatte. Eine bittersüße Traurigkeit, die in keiner Weise mit der zermürbenden Hoffnungslosigkeit und der herzlosen Dumpfheit einer Depression zu vergleichen ist. Ein sanft-schmerzliches Gefühl, das in so vielen Nuancen und Schattierungen daherkommt, blau, und doch so farbenfroh. Ich habe nicht nur die Songs wiederentdeckt, sondern auch all die Gedichte, Geschichten, Zeichnungen und Bilder aus diesen Jahren, die taubenblau gefärbt und von Traurigkeit sanft durchwebt waren. Und ich erinnerte mich an die überwältigende Schönheit der Melancholie, die die Antriebskraft meiner Kreativität war und heute wieder ist. Die Melancholie, die auf wundersame Weise die Quelle meiner Traurigkeit und gleichzeitig ihr Heilmittel ist.


Warum Melancholie unersetzbar ist


Nicht nur für mich war und ist die Melancholie eine bedeutsame Ressource für meine Schöpferkraft. Ihre Energie ist für viele, wenn nicht für die meisten kreativen Menschen unbeschreiblich wichtig. Wie viele wundervolle Bücher wären ungeschrieben geblieben, wie viele Gemälde nicht gemalt und Filme nie gedreht, hätte es die Inspiration der süß-traurigen Stimmung nicht gegeben? Doch nicht nur für unsere Kreativität ist die Melancholie unersetzlich. Sie ist nicht etwas, das wir versuchen sollten aus unserem Leben zu verdrängen, etwas, das unserem Glück und unserer Lebensfreude im Wege steht. Im Gegenteil. Denn wie sollten wir in der Lage sein, die strahlenden Momente puren Glücks und heller Freude anzuerkennen und zu genießen, wenn wir den Kontrast zu den dunklen Stunden nicht wahrnehmen könnten? Schließlich benötigt auch eine Blume nicht nur den Sonnenschein sondern auch den Regen, und der Frühling kann nur auf den Winter folgen. Die Höhen und Tiefen, die zyklischen Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit, Kälte und Wärme, sind für die Natur selbstverständlich. Wenn wir versuchen, alles Dunkle aus unserem Leben zu verbannen und nur noch im Licht zu leben, wenden wir uns dann nicht gegen etwas, das in Wahrheit Leben bedeutet? Und mit diesem Gedanken beschloss ich, meinen Blick nach Innen zu richten und den Melodien in Moll zuzuhören, die uns mit einer Träne begrüßen, doch uns mit einem warmen Herzen wieder verabschieden.


Wie ich mit The Other Moon der Melancholie eine Stimme geben möchte


Mit The Other Moon möchte ich die Melancholie auf die Bühne bitten und dich mit ihrer komplexen Schönheit und ihrer faszinierenden Vielfalt verzaubern. Ich möchte dich auf eine Reise mitnehmen, auf der du verschiedenste Orte und inspirierende Menschen kennenlernen kannst, die dir das Glück der Melancholie näher bringen. Entdecke deine Melancholie und lerne sie von einer ganz neuen Seite kennen, sodass du die Momente der bittersüßen Traurigkeit schätzen und lieben lernen kannst. Denn mit Achtsamkeit und Liebe kannst du sowohl die Höhen als auch die Tiefen des Lebens in all ihrer wundersamen Tiefe und Komplexität erleben – inklusive all der Nuancen, die es so wunderschön, lebenswert und besonders machen.


Lass uns die Melancholie feiern!


#melancholie #nostalgie #wehmut


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